Bassgeige im Eigenbau

Kontrabass selbst bauen, das funktioniert

Quelle: Neue Volksmusikstars (Magazin)


Ein Traum war es schon immer von Raphael dem Ziachspieler der Auer Buam: Ein eigenes Intrument bauen! Jetzt ist es Wirklichkeit geworden. Das erste von ihm entworfene Instrument ist ein Kontrabass!
Dabei ist Raphael ein Informatiker durch und durch, entwickelt Software und das zeigt, dass der Computernarr, wie er sich schmunzelnd nennt, auch ein Händchen für das Holzhandwerk hat!


Als wir ihn besuchten sitzt er an seinen PCs und programmiert. An der Wand hängen glänzende Schallplatten sowie Auszeichnungen und im Hintergrund sein hölzerner, selbstgebauter und einzigartiger Kontrabass. --Ich habe schon immer herum gebaut, egal ob es eine Computersoftware oder ein Stückerl Schnitzholz war--, erzählt er uns im Interview und viele weitere Fragen bekommen wir von ihm beantwortet:


Wie bist du auf die Idee gekommen dir einen Kontrabass zu bauen?
Ich hab mir schon immer gedacht, dass ein selbstgebautes Instrument was ganz besonderes sein muss. Darum hab ich einfach mal an einem Tag nach meinem Abi angefangen mir darum Gedanken zu machen. Ein Kontrabass hat mich schon immer inspiriert. Der volle und bombastische Klang. Schlussendlich hab ich mich dann hingesetzt und hab angefangen einen groben Plan zu zeichnen wie ich es haben wollte. Dabei hab ich viele Bilder von einem Kontrabass verwendet. Es war ein ganz schönes Kuddelmuddel, weil man alles mit beachten musste. Die Länge der Saiten, der Steg, das Griffholz und vieles mehr. Aber durch gutes Augenmaß, Improvisation und Ratschläge vom Vater hab ich dann den Plan vollendet.


Hast du einmal den Gedanken gehabt mit dem Bauen aufzuhören?
Nein! Mein Vater hat zwar immer wieder gesagt, dass ich das nicht hinbekomme, weil da müsste man Geigenbauer sein. Sonst könnte ja jeder ein Instrument bauen. Aber ich bin immer auf meinem Vorhaben sitzen geblieben. Es gab schon Phasen, wo der Bau gestockt hat, natürlich, aber Zeit für andere Dinge brauchte ich ja auch noch. Zum Beispiel fürs Musikspielen und meine Computer und Software Sachen. Für diese Themen hab ich ja genauso Herzblut für!


Warum hast du dir den Kontrabass selbst gebaut?
Ehrlich gesagt war mir auch immer der Preis für eine Bassgeige, wie man den Kontrabass auch nennt, zu hoch. Und als Student hat man sowieso nicht viel Pulver auf der Seite. Und wenn man sich was selbst baut, hat man doch eine ganz andere Leidenschaft es dann zu benutzen und zu gebrauchen.


Wie lief dein Kontrabassprojekt genau ab?
Ja wie ich schon gesagt habe, war es mir wichtig einen Plan zu erstellen. Dieser musste nicht normgerecht sein. Das ich diesen verstehe hat mir völlig gereicht. Anschließend hab ich über das Thema Material nachgedacht. Dabei hab ich das erste mal zwei meiner größten Hobbies vereinen können. Den Computer und das Holzhandwerk! Zum ausrechnen des Umfangs und der endgültigen Maße des Kontrabasses hatte ich mir selbst ein Programm programmiert. Dieses war im Bauverlauf sehr hilfreich. Ich habe es sogar noch irgendwo in meinem Programmsalat rumliegen. Darauf habe ich mir dann eine Materialliste angefertigt und bin damit ins Holzlager. Und wieder einmal musste ich improvisieren. Ich weiß noch gut wie mich alle angestarrt haben weil ich Bretter und Hölzer auf und ab gewunden habe. Ja und dann hab ich angefangen zu bauen.


Gab es Komplikationen beim Bau?
Ja natürlich! Das Holz musste ja gebogen werden und da sind viele Bretter gebrochen. Aber irgendwann hatte man den Dreh raus und dann ist das auch gelaufen. An das Leimen kann ich mich auch noch gut erinnern. Da musste die ganze Auer-Buam-Familie mit anpacken um alles zusammenzuhalten bis die Schraubzwingen angebracht waren. Das war eigentlich der anstrengendste Teil.


Wird der Kontrabass ins Programm der Auer Buam mit aufgenommen?
Ja da schauen wir mal. Jetzt bräuchten wir bald einen ganzen Lastwagen, dass wir unsere ganzen Gerätschaften zum Auftritt bringen und wie jeder weiß ist so ein Kontrabass ja auch nicht klein. Aber wenn es passt wird der Bass natürlich bei dem ein oder anderen Auftritt auch mit von der Partie sein. Es steht alles offen.


Was ist dein nächstes Instrumentenbauprojekt?
Raphael schmunzelnd: --Ja jetzt muss ich erst einmal mein Studium unter einen Hut bringen. Und unsere Auftritte. Wenn ich Theoriephase in Thüringen hab, dann komm ich nur an den Wochenenden nach Hause und da sind die wenigen Stunden vorlesungsfeie Zeit bis an die Oberkante ausgefüllt. Die paar Minuten, welche dann übrig bleiben werden sehr gerne der Freundin spendiert. Aber schauen wir mal. Eine selbstgebaute Steirische Harmonika würde mich auch interessieren, aber gut Ding will Weile haben.


Wir bedanken uns bei Raphael Auer von den wohl bekanntesten Gstanzlsängern Bayerns, den Auer Buam, für das interessante Interview und wir haben das Gefühl, dass wir von diesem menschlichen und musikalischen Chamäleon noch einiges hören werden.
Herzlichen Dank und alles Gute!

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